23. August 2013
von Henri Koblischke
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Wahlkampf: Sigmar Gabriel in Bonn

Am 20.08. startete Sigmar Gabriel in Bonn seine Wahlkampftour.
Vor dem Bonner Münster begann der SPD-Parteivorsitzende bei ordentlichem Wetter seine “Klartext”-tour. Im Vorprogramm stellten sich die SPD-Kandidaten aus der Umgebung vor. Die Phrasen der Politik beherrschen sie schon perfekt, genauso wie den engagierten Haustürwahlkampf. Während sich der Platz weiter füllte, trat Ulrich Kelber, der Bonner Bundstagsabgeordnete und stellvertretender Fraktionschef, auf. Sein symphatischer Auftritt erklärt, wieso er schon seit dreizehn Jahren im Bundestag sitzt und bei Wahlen stets das Direktmandat gewann.

Dann endlich der ersehnte Aufritt des SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel. Ein Moderator stellte ihm gelegentlich Fragen, die er dann auch ausführlich und ausschweifend beantwortete. Gabriel erzeugte eine lockere Atmosphäre. Nicht zuletzt, weil er sich jederzeit die ordentliche Portion Humor miteinbrachte und es nie langweilig wurde. Zudem arbeitete sich Gabriel nicht übermäßig am politischen Gegner ab. Der Schwerpunkt lag klar auf dem eigenen Programm. Bemerkenswert ist zudem, dass er wiederholt diverse Fehler der SPD zugab, dabei aber sehr vage blieb.

Emotional wurde es beim Thema Rente, so verfehlte ein Becher Gabriel nur knapp, doch gab sich der Parteivorsitzende auch hier souverän. Regelmäßig erntete er Applaus. Ebenfalls fiel über die gesamte Veranstaltung auf, dass er pragmatisch blieb. Keine radikalen Parolen oder Polarisierung.

Zuletzt hatten die Bürger die Möglichkeit Fragen zu stellen. Am Interessantesten: Bündnis mit der Linkspartei? Jein. Mit der Ostlinken um Gregor Gysi würde Sigmar Gabriel koalieren, allerdings nicht mit den ”SPD-Hassern” im Westen. Pech nur, dass beide im selben Parteikörper gefangen sind. Auch stellt für ihn die mangelnde Verlässlichkeit der Linken (sein Beispiel: Oskar Lafontaine will den Euro nicht) eine Gefahr für die Stabilität einer möglichen Regierung dar. Dabei sieht sich Gabriel auf einer Linie mit bisherigen Bündnispolitik der 150-jährigen SPD, die nach eigener Aussage sehr auf Stabilität bedacht war.

Mehrmals wurden die Zuhörer, auch von Gabriel persönlich, dazu aufgefordert zur Wahl zu gehen, um das wichtigste Instrument der politischen Mitbestimmung zu nutzen, auch wenn sie ihr Kreuz nicht bei der SPD machen wollen. Eine bemerkenswerte Aussage zu Beginn der heißen Phase des Wahlkampfes.

9. August 2013
von Henri Koblischke
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Aufklärungsarbeit zu PRISM: Kommt da noch was?

Seit Wochen ringen Regierung und Opposition um die öffentliche Meinung, in Sachen Abhöraffäre?
Jüngst hat Merkel den schwarzen Peter dem Sozialdemokraten und früheren Kanzleramtsminister (somit verantwortlich für die Geheimdienste) Steinmeier weitergereicht, die FDP will diesen sogar zum Untersuchungsausschuss vorladen. Nachdem ihre Regierung wochenlang das Trommelfeuer der Opposition ertragen musste, wobei sie sich auch alle Mühe gab, möglichst schlecht auszusehen, ist sie in die Offensive gegangen. Die Rolle Steinmeiers ist für die SPD gefährlich. Zwar wird er kaum für PRISM oder dessen Grundlagen verantwortlich sein, doch Dreck wird hängenbleiben.
Die Opposition dagegen wirft der Kanzlerin schlechtes Krisenmanagement und Bruch des Amtseides vor.

Die große Frage in der vom Wahlkampf geprägten Debatte lautet: Gibt es zumindest eine Teilschuld seitens der Bundesregierung(en)?

Dass die Geheimdienste nach Nine Eleven stärker kooperieren und sich austauschen ist kein Skandal, sondern im Interesse beiderseitiger Sicherheit. Der alten rot-grünen Bundesregierung ist somit, nach jetztigem Kenntnisstand kein Vorwurf zu machen, als sie eine stärkere Kooperation der Geheimdienste einleitete. Der Vorwurf der (aktuellen) Bundesregierung dient lediglich der Ablenkung.
Fairerweise muss bemerkt werden, dass die Öffentlichkeitsarbeit von rot-grüner Seite eher spärlich ausfällt. Die Chance die Handlungen in ihrer Amtszeit zu erklären, wurde nicht genutzt. Da wundert es keinen, wenn der politische Gegner das ausnutzt.

Ob die Bundesregierung oder der BND nun von PRISM wusste, muss sich noch zeigen. Bisher hat nur Edward Snowden der Aufklärung einen Dienst geleistet. Der BND, der Kanzleramtsminister Pofalla, Bundesinnenminister Friedrich, aber auch Bundeskanzlerin Merkel haben wenig Neues ans Licht gebracht. Oder weniger diplomatisch formuliert: Die Aufklärung bleibt auf der Strecke. Der BND informiert selbst das Parlamentarische Kontrollgremium unzureichend, von ihm ist in diesem Fall also nichts Hilfreiches zu erwarten, es sei denn Kanzleramtsminister Pofalla würde Druck machen, aber das einzige was man von ihm mitbekommt ist, dass man nichts mitbekommt. Bundesinnenminister Friedrich scheint die Überwachung/Sicherheit nach eigener Aussage wichtiger zu sein als die Freiheit. Somit hat auch er kein Interesse an Aufklärung. Bleibt noch die Kanzlerin. Doch was hat sie in den Wochen seit Snowdens Enthüllungen zustande gebracht? Eigentlich nichts.

Dies bedeutet, dass die Bundesregierung die Aufklärung sträflichst verschleppt. Dies läuft dem Interesse des deutschen Volkes zuwider. Insofern gibt es einen Schuldigen…