Frankreich und die Krise

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Für alle, die es über den Wahlkampf vergessen haben: Die Eurokrise tobt in Europa. Sie zu bewältigen ist eine Mammutaufgabe. Zu viel für eine Person. Zu viel für einen Kommissionspräsidenten á la Barroso, für einen Ratspräsidenten van Rompuy, selbst für Merkel, der von ihrer Partei wahrscheinlich Superkräfte zugesprochen werden. Zum Glück ist Europa ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Staaten. Ganze 28 Staaten sind vertreten. Diese Staaten tragen alle zur Krisenbewältigung bei, ein Umstand der von deutschen Medien gerne mal verschwiegen wird.

Doch manche mehr als andere. Deutschland zum Beispiel, das über die Eurokrise zur „Wachstumslokomotive“ und europäischen Supermacht aufgestiegen ist. Doch Deutschland alleine ist nicht mächtig genug, es braucht Partner, von denen Frankreich ein besonders wichtiger ist. Ohne Frankreich geht nur wenig in Europa. Mit Frankreich beinahe alles. Doch dieser für Deutschland und Europa so wichtige Partner schwächelt. Und das gewaltig.

Wirtschaftswachstum ist für die französische Regierung ein mysthischer Begriff jenseits der Realität. Die Arbeitslosenquote ist zweistellig und die Industrieproduktion stürzt ab. Zudem belastet eine gewaltige Staatsverschuldung den öffentlichen Haushalt. Doch zugleich hat der Staat Spendierhosen an, die Staatsquote liegt bei 56 Prozent. Die Leistungsbilanz ist negativ. Wie die wirtschaftliche Stagnation aufhalten und die „grande nation“ auf den aufsteigenden Ast führen? So wie jetzt gehandelt wird, überhaupt nicht. Die Rente mit 62 bleibt erhalten und der Arbeitsmarkt ist ebenso starr wie eh und je. Doch Frankreich muss sparen, denn sonst wird die EU-Kommission, trotz vorläufigen Aufschubs, ernsthafte Schritte gegen Europas zweitgrößte Volkswirtschaft einleiten.

In diesen Zeiten Lösungen auf Probleme anzubieten mag schwierig genug sein, doch mit einer Bevölkerung im Rücken die Reformen fürchtet und das politische System verachtet, ist es fast unmöglich. Hollande muss um seine berufliche Zukunft fürchten. Nur ein Fünftel der Franzosen ist einverstanden mit dessen Politik. Ein neuer Negativrekord in Frankreich. Zuguterletzt könnte der rechtsextreme „Front national“ bei den nächsten Wahlen 2017 noch vor den Sozialisten an erster Stelle landen.

Die Krise, in der Frankreich steckt, lässt sich nur schwer lösen, besonders, wenn eine Regierung möglichst wenig Leute verprellen will, die ohnehin schon sauer sind. Endlich mal eine Initiative wäre wünschenswert, doch es bleibt Hoffnung. Wenn sich die Eurokrise beruhigt und der Süden wirtschaftlich erstarkt, wird auch Frankreichs Wirtschaft profitieren und wieder auf die Beine kommen. Wie jedoch die Eurokrise mit einem angenockten Frankreich bewältigen? Ein Teufelskreis.

Vorausgesetzt Frankreich entdeckt keine Ölquellen vor der Küste, gibt es keine andere Möglichkeit: Reformen. Wird Hollande diese seinem Volk zumuten, werden seine Sozialisten so enden wie die deutsche SPD, oder wird er tun, was er immer tut. Nämlich wenig.

Autor: Henri Koblischke

Hi, ich bin Henri und schon seit langem politikinteressiert. Da mir auch Schreiben Spaß macht, habe ich den Blog www.politicsgermany.com aufgebaut. Hier kommentiere ich mit anderen Interessierten die aktuellen Ereignisse in Deutschland, Europa und der Welt. Neben meiner Web- und IT-Affinität bin ich auch ganz analog als Geocacher unterwegs ;)

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