Themenreihe Mindestlohn: Interview kölnmetall #2

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Teil zwei des Interviews.
Das erste ist hier verlinkt.

Laut Berechnung des DGB verdient man mit 8,50 € die Stunde im Vollzeitjob knapp über 1.400 Euro Brutto im Monat. Reicht das überhaupt – gerade wenn man Single ist?

In einer Stadt wie Köln ist es wahnsinnig schwer, aber dafür gibt es Wohngeld, dafür gibt es andere Leistungen.

Ich glaube viel wichtiger ist doch die Frage, zahlen wir da nicht letztlich die Zeche am falschen Ende? Altbundeskanzler Schröder und Wolfgang Clement sagen, die Milliardenbeträge wären viel sinnvoller angelegt, indem wir die Bildung stärken.

Da ist viel zu tun. Fünf bis sieben Prozent der Schülerinnen und Schüler in NRW verlassen die Schule ohne Abschluss. Da müssen wir nachjustieren. Chancengerechtigkeit ist für mich viel wichtiger. Die Chance zu studieren, wenn wir aus einer Akademikerfamilie kommen, ist vier Mal höher, als wenn sie ein Arbeiterkind sind. Das finde ich schreiend ungerecht. Den Begriff der Chancengerechtigkeit wünsche ich mir viel mehr. Gerade auch vom DGB, als der Begriff der Verteilungsgerechtigkeit; ob man sich im Zweifelsfall noch einen zweiten Kinobesuch im Monat leisten kann.

Wen sehen Sie bei der Chancengerechtigkeit in der Pflicht? Welche Verantwortung haben die Unternehmen, Chancengerechtigkeit zu fördern?

Wir haben eine sehr große Verantwortung, das Ganze machen wir allerdings, ich sage es ganz ehrlich, auch nicht aus hehren Motiven, sondern uns geht es darum, auch in einer demografisch stetig älter werdenden Gesellschaft den Fachkräftebedarf zu sichern. Dem versuchen wir ganz konkret entgegen zu wirken, indem wir mit die naturwissenschaftliche Früherziehung fördern und 25.000 Berufsfelderkundungsplätze jedes Jahr zur Verfügung stellen. Ich glaube, das zeigt, dass wir da auch mit Blick auf die jüngere Generation unserer gesellschaftspolitischen Verantwortung sehr wohl gerecht werden.

Chancengerechtigkeit, ist das gleichzusetzen mit Chancengleichheit? Kinder, haben alle die gleichen Chancen am Arbeitsmarkt?

Ich würde mir wünschen, dass es eine richtige Chancengleichheit bedeutet. Zugleich muss man der Realität ins Auge sehen. Es wäre vermessen zu sagen, dass wir schon morgen eine völlige Chancengleichheit haben. Wir müssen in die Richtung kommen, dass eine wirklich viel, viel größere Chancengleichheit da ist, als jetzt besteht.

Tut der Mindestlohn etwas für die Chancengerechtigkeit?

Er verhindert oder erschwert sie zumindest, weil viele Menschen mit gering bezahlten Tätigkeiten, die auch eine Aufstockung erforderlich machen, gar keine Treppe haben, um in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Wenn Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren oder nicht in Arbeit kommen und weiterhin Sozialleistungen empfangen müssen, nützt das niemanden.

Entspricht die berüchtigte Bezahlung der Friseure mit drei Euro noch der Würde des Menschen, wie sie im Grundgesetz steht?

Ich habe da meine Probleme, 3 Euro pro Stunde als adäquat zu empfinden, aber die freiheitliche Grundordnung heißt auch, dass die Menschen sich das selbst ausgesucht haben.

Man darf natürlich nicht vergessen, das muss auch dem Kunden vermittelt werden, indem es über höhere Preise wieder in Rechnung gestellt wird. Wenn jetzt die gleichen Menschen, die jetzt schreien „soziale Ungerechtigkeit, haltet die Diebe“, dann sagen, „Nein, wenn mein Trockenhaarschnitt mehr als 10,- € kostet, lasse ich das schwarz machen“, dann muss ich sagen, ist das verwerflich, das ist opportunistisch.

Autor: Henri Koblischke

Hi, ich bin Henri und schon seit langem politikinteressiert. Da mir auch Schreiben Spaß macht, habe ich den Blog www.politicsgermany.com aufgebaut. Hier kommentiere ich mit anderen Interessierten die aktuellen Ereignisse in Deutschland, Europa und der Welt. Neben meiner Web- und IT-Affinität bin ich auch ganz analog als Geocacher unterwegs ;)

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